Aufenthalt erwünscht

01.10.2015 Einen Ort der Begegnung zu schaffen, lautete das Ziel der Stadt Dinslaken, das sie als Bauherr bei der Neugestaltung des Neutorplatzes in der Innenstadt verfolgte. Der Bau der Neutorgalerie hatte den Anlass für die Veränderung gegeben. Um das neue Einkaufszentrum mit der bestehenden Bebauung zu verbinden, plante die wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum, ein regionales Produkt für die Bodengestaltung einzusetzen. Pflasterklinker aus dem Nottulner Klinkerwerk Hagemeister in den seitlichen Bereichen des Neutorplatzes und den angrenzenden Straßenzügen verzahnen den Freiraum mit der Innenstadt.

Der Neutorplatz ist einer der größten Plätze in der Dinslakener Innenstadt. Vor der Umgestaltung wiesen sowohl der Neutorplatz als auch der sich anschließende Platz Am Neutor ein unattraktives Erscheinungsbild auf. Zwischen den Flächen für den ruhenden Verkehr und den Geschäften befand sich nur eine schmale Passage für die Fußgänger. Auch die Geschäftszone in der Saarstraße bot ein unansehnliches Bild. Überwiegend alte und kranke Alleebäume trugen dazu bei. Während der Tiefbauarbeiten wurden bereits einige Bäume gefällt.

Sensible Integration ins Umfeld

Mit der Neugestaltung des gesamten Bereichs sollte die jahrelang als Parkplatz genutzte Fläche zu einem multifunktionalen Freiraum mit starker Aufenthaltsqualität weitergedacht werden. Die Landschaftsarchitekten von wbp haben dazu das ursprüngliche Areal vergrößert und sensibel in das städtebauliche Umfeld integriert. Als Herausforderung stellte sich dabei die Verbindung der zeitgenössischen Plätze mit den bestehenden heterogenen Gebäuden heraus.

Pflasterklinker als verbindendes Element

Über die Wahl der Materialität gelang den Landschaftsarchitektinnen Christine Wolf und Rebekka Junge von wbp das Zusammenspiel von ursprünglichen Fassaden und neuem Boden. Als Belag für die Seiten des Neutorplatzes und der angrenzenden Straßenzüge kam Tonpflaster aus dem Nottulner Klinkerwerk Hagemeister zum Einsatz. Im Ellbogen- und Läuferverband auf einer Fläche von 9.500 m2 verlegt, verleihen die Klinkersteine der Sortierungen „Heiden“ und „Atlanta“ im Riegel-Format (208 x 50 x 80 mm) dem Stadtraum eine angenehm lebendige Atmosphäre. Sie nehmen die stadtprägende Gestaltung der Fußgängerzone und der zwei historischen Plätze auf. Gleichzeitig geben sie dem Neutorplatz einen Rahmen und leiten nahtlos zum angrenzenden Straßenraum über. Das Ton-Pflaster setzt sich dort in Geh- und Radwegen, Parkierungsflächen sowie Wegen für den reduzierten Fahrverkehr fort.

Die Pflaster-Sortierungen strukturieren den Stadtgrundriss in verschiedene Funktions- und Aufenthaltsbereiche. „Heiden“ in Ziegelrot mit lebendigem Kohlebrand verleiht dem Platz sowie Fuß- und Radwegen einen warmen, rotbunt changierenden Grundton, während „Atlanta“ in elegantem Anthrazit Fahrgassen und ausgewählte Verweilzonen edel und modern anmuten lässt. Die optischen Reize des natürlichen Tons vereint das Material mit den technischen Vorzügen höchster Stabilität. Durch die hohe Brenntemperatur von circa 1.200° erhält der Klinker eine besonders wartungsarme, dichte Oberfläche, ist frostsicher und rutschfest. Dank der CREATAP-Ausführung mit ausgeprägter Spezialfase hält die Pflasterfläche Belastungen durch ein- und ausparkende PKW sowie Schub- und Scherkräften von Schwerlast-Lieferverkehr stand.

Raum für die Bewohner

Auf dem autofreien Neutorplatz finden heute auch Veranstaltungen und Märkte statt. Hier umschießt das warmtonige Klinkerpflaster eine Betonwerksteinfläche. Bäume an den Längsseiten betonen die Ausdehnung des Platzes zwischen der neuen Galerie im Süden und der historischen Gaststätte auf der Nordseite. Der Platz Am Neutor wird nach der Umgestaltung als Parkfläche und zentraler sowie barrierefreier Haltepunkt für öffentliche Verkehrsmittel genutzt. 75 Pkw-Stellplätze bieten Raum für den ruhenden Verkehr. Auch in der nach Süden verlaufenden Saarstraße finden die gleichen Materialien wie auf dem Neutorplatz Verwendung. Dort werden Parkplätze reduziert und durch Gehwege ersetzt. Alleebäume stellen den historischen Charakter nach der Umgestaltung wieder her und bilden einen sanften Übergang zur heterogenen Bebauung. Eigens für das Projekt entworfene Außenmöbel und Lichtelemente ergänzen die kontrastreiche Gestaltung. Durch die neu strukturierten Flächen entsteht ein aufgewerteter Freiraum, der die Bewohner der Stadt Dinslaken zum Verweilen einlädt und Orte der Begegnung schafft.

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