Klinker in Venedig

11.06.2014 Die Pforten der 14. internationalen Architekturbiennale in Venedig stehen nun seit dem 7. Juni 2014 für das interessierte Fachpublikum offen. Der niederländische Architekt Rem Koolhaas hat als diesjähriger Kurator für die Länderpavillons das Dachthema „Absorbing Modernity: 1914 – 2014“ aufgespannt. Der diesjährige deutsche Beitrag wurde vom Architektenduo Savvas Ciriacidis und Alex Lehnerer aus Zürich gestaltet. Das Klinkerwerk Hagemeister unterstützte auf Wunsch der Planer das Projekt.

"Der diesjährige deutsche Beitrag ... hinterfragt Architekturen der Repräsentation und antwortet damit auf das übergeordnete Thema ... für die Nationenbeiträge. Deutschland blickt auf ein Jahrhundert voller politischer und gesellschaftlicher Brüche zurück, in der sich die Nation wiederholt neu definierte. Vor diesem Hintergrund lenkt BUNGALOW GERMANIA den Blick auf das Spannungsverhältnis zwischen nationaler Identität und ihrem gebauten architektonischen Ausdruck und liest Architektur nicht nur als Spiegel ideologischer Machtstrukturen, sondern auch als mitkonstituierende Kraft innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Zwei Gebäude von nationaler Bedeutung verorten das Projekt innerhalb der letzten 100 Jahre: Der deutsche Pavillon und der Bonner Kanzlerbungalow von Sep Ruf aus dem Jahr 1964, der zu Zeiten der Bonner Republik als das »Wohnzimmer der Nation« medial allgegenwärtig war und mit dem Hauptstadtumzug von Bonn nach Berlin 1999 plötzlich als sichtbares Objekt aus der Wahrnehmung verschwand. Diese Gebäude stehen für zwei Epochen in der deutschen Geschichte, zwei politische Systeme und zwei Architektursprachen. Und beide Gebäude wurden von ihren Bauherren dazu instrumentalisiert, von der Nation zu sprechen, beziehungsweise dieser ein Versprechen zu geben.

In Venedig werden Pavillon und Bungalow als architektonische Montage in einen Dialog miteinander versetzt. Durch einen 1:1- Teilnachbau des Bungalows und dessen Verschneidung mit der Architektur des Pavillons entsteht eine begehbare, räumliche Installation, die Geschichten, Momente, Zeiträume, tatsächliche Räume und Orte miteinander verbindet. Dabei dienen die Materialien und Elemente des Bungalows als Medien, um die Szenen der in Erinnerung gebliebenen politischen Gesten und symbolischen Handlungen von Bonn nach Venedig zu transportieren.

Durch das situative Zusammentreffen der Gebäude entsteht ein neuer »dritter Raum«, der die Organisation und den Charakter der ursprünglichen Räume überdeckt. Das eine Gebäude ist der Schlüssel zum anderen. Der Pavillon liest und referenziert sich durch den Bungalow und der Bungalow durch den Pavillon. Es entsteht eine doppelte Lesbarkeit. Diese Konversation öffnet einen Assoziationsraum zu Form und Nutzung der Architektur und der damit verbundenen (deutschen) Geschichte." so der Wortlaut aus dem Statement der Architekten.

Zusammen mit den beiden Generalkommissaren wurden direkt im Hagemeister-Werk in Nottuln Details des Projektes erarbeitet und abgestimmt. Speziell die Authentizität des Klinker-Materials und seiner Verarbeitung in Bezug auf Originalbau war hier zentrales Bestreben.

Für Frau Dr. Christina Hagemeister, Geschäftsführerin des Klinkerwerkes Hagemeister, ist das Engagement eine Selbstverständlichkeit: „Der ständige Dialog mit Architekten ist elementarer Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Die Architekturbiennale in ihrer langjährigen Tradition ist die ideale Plattform für den kommunikativen Austausch mit renommierten internationalen Architekten.“

Weitere Details und visuelle Eindrücke hier auf der offiziellen Website des Deutschen Beitrags:
http://bungalowgermania.de/de/ausstellung

<- Zurück zu: BrandNeues

zum Seitenanfang