Massivität und Transparenz

11.03.2015 Mit seiner klaren Formensprache fügt sich der Neubau des Niedersächsischen Landesarchivs am Standort Stade harmonisch in das bestehende Stadtbild ein. Der Entwurf des Planungsbüros pbr aus Osnabrück stellt eine optimale Verbindung von Raumangebot, Schutz der Archivalien und Nachhaltigkeit her.

Drei kubische Baukörper sind über eine zentrale Erschließung miteinander verbunden und spiegeln ihre unterschiedlichen Funktionen in der Gebäudehülle wider. Aus der Kombination verschiedener Fassadenelemente ergibt sich ein spannungsreiches Wechselspiel von geschlossenen und offenen Partien. Klinker der Sortierung „Lübeck“ aus dem Nottulner Klinkerwerk Hagemeister verleiht dem Komplex einen massiven, schützenden Charakter und schlägt eine Brücke zum ziegelgeprägten Stadtgebiet.

Das neue Staatsarchiv in Stade ist nicht nur aus architektonischer Sicht besonders: Die länderübergreifende Zusammenarbeit im Archivwesen zwischen der Landesregierung Niedersachsens und der Freien Hansestadt Hamburg ist bundesweit einzigartig. Im alten Staatsarchiv Stade, das Mitte der 60er-Jahre entstand, waren die räumlichen Kapazitäten für die Aufbewahrung von Grundbüchern und Akten erschöpft. Außerdem entsprach das Archiv nicht den Anforderungen einer fachgerechten Aufbewahrung von Archivgut. Der Neubau zeichnet sich neben Raum für 50 Regalkilometer, durch kurze Wege sowie eine moderne Ausstattung aus. Die Planer setzten auf das Prinzip der natürlichen, passiven Klimatisierung, die ein selbst stabilisierendes Raumklima generiert. Durch diesen Schritt werden Betriebskosten gespart und die Nachhaltigkeit aus ökologischer Sicht sichergestellt.

Die Ausschreibung übernahm das staatliche Baumanagement Osnabrück-Emsland, das auch Bauherr des Landesarchivs ist. Mit ihrem eleganten Konzept setzte sich die pbr AG gegen Mitbewerber aus ganz Europa durch. Prägend für diesen Entwurf ist das funktionsabhängige Wechselspiel dreier verbundener Baukörper. Sämtliche Gebäudeteile sind durch einen zentralen Weg verbunden, der die Kommunikation fördert und die einzelnen Bereiche korrespondieren lässt. Während der Archiv-Bereich durch seine fensterlose, monolithische Geschlossenheit Schutz ausstrahlt, präsentiert sich der Verwaltungsbereich mit partieller Transparenz. Das Foyer strahlt mit großzügigen Glasflächen Offenheit aus. 

Klinker prägt das äußere Erscheinungsbild des Archivgebäudes. Mit diesem ortstypischen Material gliedern sich die Kuben harmonisch in das bestehende Stadtbild ein. Zudem entschieden sich die Architekten für diesen Baustoff, da er eine langfristige und nachhaltige Nutzung bei geringem Instandhaltungsaufwand gewährleistet. Die hinterlüftete Klinker-Fassade ergänzen am Verwaltungsblock Fensterelemente sowie Pfosten-Riegel-Konstruktionen aus Aluminium. Fugen und die Anordnung von Blechpaneelen gliedern den fensterlosen Baukörper des fünfgeschossigen Archivgebäudes.

Die Hagemeister Klinker-Sortierung „Lübeck“ mit kräftigen Kohlebrand-Aufschmauchungen lässt das Staatsarchiv zwischen den üppigen Grünanlagen hervorstechen. Der von dunklen Rottönen bis hin zu gelb-grünlichen Nuancen changierende Klinker ist im wilden Verband vermauert und bekleidet insgesamt eine Fläche von 3.200 m². Robert Flettschock, einer der Geschäftsführer der ausführenden EngFle Baugesellschaft, betonte: „Der Klinker von Hagemeister eignet sich als Baumaterial sehr gut. Die Qualität und Dauerhaftigkeit sind für einen solchen Bau ideal.“

Das neue Staatsarchiv in Stade ist ein moderner Bau, der die hohen Anforderungen, die an ein Archiv gestellt werden, mit ansprechendem und funktionalem Design vereint. Er fügt sich dank der strukturierten Klinkerfassade in das traditionelle Stadtbild der Umgebung ein und bringt Transparenz und Geschlossenheit in architektonische Harmone.

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