Studium hinter mediterraner Fassade

04.03.2003 Beim "Neubau Geisteswissenschaften" der Uni Leipzig steht die warme Terracotta-farbene Klinkerfassade im regen Dialog mit Glas- und Stahl-Elementen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Bibliothek der Universität Leipzig ist an der Beethovenstraße, auf dem Gelände des alten Gewandhauses, der ?Neubau Geisteswissenschaften? entstanden. Hinter dieser zur Zeit noch provisorischen und anonymisierenden Bezeichnung stehen fünf miteinander verbundene, sechsgeschossige Baukörper als gelungene städtebauliche Ensemblelösung. Ihre markante Klinkerfassade in der Hagemeister-Sortierung ?Tarragona? leuchtet weithin in einem warmen, freundlichen Terrakotta-Ton. Diese Nuancierung, die einem aktuellen Trend bei der Farbgebung von öffentlichen Gebäuden und Plätzen entspricht, hat bei aller Modernität eine beruhigende und harmonisierende Ausstrahlung. Dabei stehen die Fassadenklinker aus Nottuln in lebendigem Dialog zu den großformatigen, symmetrisch angeordneten Fenstern und den gläsernen Verbindungstrakten, welche die einzelnen, zur Uni der Sachsenmetropole gehörenden Institutsgebäude jeweils sinnvoll miteinander verbinden. Dieses Ensemble von Unigebäuden, das später möglicherweise einmal, wenn alle Gremien zustimmen sollten, den Namen ?Ernst-Bloch-Haus? tragen wird - nach dem humanistischen Philosophen des Prinzips Hoffnung - entstand nach den Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Dietrich und Dietrich in zweieinhalbjähriger Bauzeit.

Die beabsichtigte Namensgebung würde zumindest dem derzeitigen Zweck gerecht: die Klinkerbauten sind unter anderem das neue Domizil der philosophischen und sozialwissenschaftlichen sowie der philologischen Fakultät. Au-ßerdem sind auf den 9000 Quadratmetern Nutzfläche auch die Historiker, die Kunstwissenschaftler, die Orientalisten und die Afrikanisten untergebracht. Etwa 7000 Studenten werden diese neuen Gebäude und ihre Einrichtungen wie Hörsaal, Seminarräume, PC-Pool und Cafeteria nutzen und die direkte Nähe zur wiedereröffneten Universitätsbibliothek zu schätzen wissen. Das Gebäude gliedert sich in fünf kubenförmige Einzelhäuser, die versetzt angeordnet und durch gläserne Kommunikations- und Verkehrszonen funktionsgerecht miteinander verbunden sind. Den einzelnen Kuben sind durch ihre gestaffelte Anordnung jeweils eigene Innenhöfe zugeordnet.

Hinter der mediterran anmutenden Klinkerfassade sind großzügige, lichtdurchflutete Arbeitsräume mit modernster technischer Ausstattung entstanden Die Anordnung und Unterteilung der Fenster wirkt wie ein Spiel mit Quadraten in Analogie zur kubenhaften Dreidimensionalität der Institutsgebäude. Jeweils an den Eckpunkten des Ensembles sorgen gebäudehohe Rankgerüste aus Stahl, die in bewusstem Kontrast zur Wärme des terrakottafarbigen ?Tarragona?-Klinkers stehen, für architektonische Spannung. Sie dienen später als Pflanzgerüste für Kletterpflanzen. Es ist, als ob die kreative Wechselwirkung zwischen Glas und Klinker, zwischen Geist und Materie, zwischen projektierter Fiktion und konkreter Realität greifbare Gestalt angenommen hätte.

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