Auf den letzten beiden Baufeldern des Paleiskwartier am Onderwijsboulevard 300 realisierten die Avans Hogeschool und BrabantWonen ein kombiniertes Ensemble aus rund 20.000 m² Bildungsfläche und 124 Studierendenwohnungen. DP6 Architectuurstudio entwickelte hierfür einen integrierten Masterplan: robuste, urbane Baukörper rahmen eine öffentlich zugängliche, grüne „Innenwelt“, die den Standort zu einem echten Campus zusammenführt.
Bis vor Kurzem waren die Ausbildungsangebote der Avans Hogeschool auf mehrere Gebäude im Zentrum von ’s-Hertogenbosch verteilt. Mit dem Neubau am Onderwijsboulevard 300 – in unmittelbarer Nähe zu den Avans-Gebäuden am Boulevard und an der Hugo de Grootlaan – werden die Funktionen künftig stärker an einer Adresse gebündelt. Früh wurde zudem die Kooperation mit BrabantWonen gesucht, um Studierendenwohnen direkt auf dem Campus zu integrieren. So entstand ein gemischtes, lebendiges Programm aus Bildungsgebäude, Wohnangebot und gastronomischen Nutzungen rund um einen begrünten Hofgarten auf dem Parkdeck.
Die Landschaft zwischen den Gebäuden bildet eine willkommene grüne Oase und einen Aufenthaltsort in einem ansonsten stark mineralisch geprägten Umfeld. Ein durchgehender Fußweg verbindet den Campus mit den weiteren Avans-Gebäuden am Onderwijsboulevard. Statt entlang eines schmalen Gehwegs über das Grundstück zu gehen, bewegen sich Studierende und Mitarbeitende durch den Innenbereich mit Plätzen, Terrassen und Gärten – als natürlicher Ort für Begegnung, Austausch und informelle Zusammenarbeit, auch mit Unternehmen und Bewohnern des Quartiers.
Die Architektur nimmt Bezug auf die Fabrikgebäude, die das Gebiet über Jahrzehnte geprägt haben – besonders sichtbar in der Fassadengestaltung. Die Fassaden des Ensembles sind von einem klaren, kräftigen Rhythmus geprägt, beim Bildungsgebäude subtil anders akzentuiert als bei den Wohnbauten. Entlang des Education Boulevard zeigt sich diese Struktur bewusst geschlossen und robust: Rote Backsteinflächen markieren die Stadtkante und verleihen dem Bildungsbau eine ruhige, solide Präsenz. Zur „inneren Welt“, also dem Außenraum zwischen den Gebäuden, sowie an den Wohngebäuden auf der Ostseite wirkt das Ensemble dagegen offener, luftiger und deutlich heller.
Gerade in diesen Bereichen setzt die Fassadengestaltung auf eine differenzierte Materialwirkung. Ergänzende Bauteile aus Beton, Stahl und Glas greifen die industrielle Geschichte des Ortes auf und übersetzen sie in eine zeitgemäße Architektursprache. Die hellen Mauerwerksflächen wurden in einer hochwertigen Kombination aus Fertigteilelementen und traditionellem Mauerwerk realisiert – ausgeführt mit unserem Strangpressstein in der Sortierung Langeland HSG. So entsteht eine Fassade, die im großen Maßstab funktioniert und zugleich in der Detailausbildung präzise und wertig wirkt.
Ein großzügiges Atrium bildet das Herz des Bildungsgebäudes – sowohl zur Boulevardseite als auch zum inneren Campusraum. Gemeinsam mit dem transparent gestalteten Sockel schafft es Lebendigkeit am Boulevard und fungiert als „Schaufenster“, das Einblicke in das akademische Leben der Avans Hogeschool ermöglicht.
Der Entwurf ist auf Veränderung ausgelegt. Ein konstruktives Raster von 8,10 Metern verbindet effiziente Parkierung mit hoher Nutzungsflexibilität für Bildung und Wohnen. Die offene Gebäudestruktur sowie ein modulares Fassaden- und Installationsraster ermöglichen eine freie Unterteilung in 1,80-Meter-Schritten: Wände können versetzt, Bereiche neu organisiert und Nutzungen angepasst werden. Perspektivisch sind Erweiterungen oder Rückbauten einzelner Gebäudeteile möglich; zudem lässt sich ein Teil der Bildungsflächen bei Bedarf in Wohnraum transformieren. Auch das Studierendenwohnheim bleibt anpassungsfähig – mit überschaubaren Eingriffen kann eine Studierendenwohnung künftig zu einem Starter-Apartment umgebaut werden.