Wohnquartier

Wohnquartier

Über dieses
Projekt

Standort: Wedel, Deutschland
Objekttyp: Wohngebäude
Architektur: Medium Architekten, Hamburg
Auftraggeber / Bauträger: Rehder Wohnungsbau, Wedel
Objektsortierung
-Infos auf Anfrage.
„Willkommhöft“ ca. 1000 m²
Klinker Format Verklinkerte Fläche

Wer über den Wasserweg vom Meer nach Hamburg will, der kommt unweigerlich hier vorbei: Die kleine Stadt Wedel liegt direkt an der Grenze zur pulsierenden Hansestadt, der Hafen für die Container- und Kreuzfahrtschiffe ist nicht mehr weit. Nur rund 20 Kilometer weiter die Elbe rauf beginnt das wuselige Treiben zwischen Kränen und Kaimauern. An der Elbe zu wohnen bedeutet, gleichermaßen Ruhe und Geschäftigkeit verbinden zu können. In direkter Flussnähe hat das Hamburger Büro Medium Architekten fünf Wohnhäuser errichtet, die der Elbkante einen neuen Fixpunkt geben. Drei Sortierungen der Hagemeister Klinkerriemchen wurden in einem spannenden Objektmix zusammengeführt und bilden gemeinsam mit anderen Baumaterialien eine lebendige Fassade. Kurz vor den Toren der Hansestadt Hamburg hat sich die 33.000-Seelen-Gemeinde Wedel den Charme einer kleinen Stadt erhalten. Als Teil der Metropolregion pendeln viele Menschen von hier in die Großstadt, nutzen in ihrer Freizeit jedoch gerne die Angebote Wedels, die auch bei den Touristen sehr beliebt sind: Die Wedeler Marsch präsentiert sich ursprünglich und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Die beiden Strände der Stadt haben ihre ganz eigenen Besucher-Schwerpunkte: Während der westliche Strand Restaurants und eine touristische Infrastruktur bietet, ist der östliche eher urwüchsig und weitläufig. Dazwischen liegt die größte Attraktion Wedels: Das Schiffsbegrüßungswerk „Willkomm Höft“, dessen Name sich vom niederdeutschen „Hööft“ für eine Landzunge bzw. -spitze ableitet. Von hier hat man die beste Möglichkeit, die „dicken Pötte“ zu beobachten, die sich dem Hamburger Hafen nähern oder ihn verlassen. Jedes Schiff, das hier vorbeifährt, wird begrüßt: Fünf „Begrüßungskapitäne“ senken die Hamburger Flagge und setzen das internationale Flaggensignal für „Gute Reise“. Für Schiffe ab einer bestimmten Größe, die die deutschen Gewässer verlassen, wird tagsüber die Nationalhymne des Heimatlandes gespielt. Dazu bekommen Besucher zu den jeweiligen Schiffen über Lautsprecher Informationen u. a. zum Baujahr, der Reederei und dem Tiefgang. Von den Wohngebäuden des Quartiers am Strandweg sind diese Schiffe perfekt zu beobachten, sagt Dipl.-Ing. Architekt Michael Ruffing: „Die Begegnung mit den Containerriesen vom Sofa aus ist garantiert.“ Die Nähe zur Elbe ist ein essentieller Bestandteil der Maritimen Meile, einer städtebaulichen Neuordnung der Wedeler Elbkante. Die 4- bis 5-geschossigen Häuser wurden auf Abstand gebaut, sodass die Bewohner von ihren Balkonen und Loggien aus eine uneingeschränkte Sicht auf den Schiffsverkehr haben. Eine weitere Naturverbundenheit zeigt sich in der Energieeinspeisung: Alle Gebäude werden über Geothermie geheizt und gekühlt. Dafür mussten in der Nähe der Elbe 100 Bohrpfähle in den Untergrund getrieben werden, die dann durch das Einbringen von Rohren zum Wärmetauscher für die Erdwärme aufgerüstet wurden. Und auch an die Gefahr durch Hochwasser wurde beim Bau gedacht, sagt Michael Ruffing: „Um den Hochwasserschutz für die Wohnanlage auch bei Sturmfluten zu gewährleisten, stehen die Gebäude auf einer Garage, die als Warftkonstruktion ausgebildet wurde.“ Die versetzt errichteten Einheiten werden auf dem Gesamtgrundstück von Wegen durchzogen, die eine Kleinteiligkeit vermitteln – im äußeren Gesamtbild hingegen zeigt sich ein Zusammenhalt der einzelnen Gebäude. Dieser wird besonders durch die Fassadengestaltung hervorgehoben: Unterschiedliche Felder aus Klinker, Putz, Glas und Holz mäandern und erzeugen eine identitätsprägende Horizontalität. Für die verklinkerten Bereiche kam der Objektmix Willkommhöft zum Einsatz, der aus braun-anthrazitfarbenen und beigen Klinkerriemchen besteht – teils fußsortiert verbaut, sodass eine lebendige Oberflächenwirkung entsteht: „Der Klinker in Verbindung mit der grauweißen Fuge bringt Polychromität in die Architektur, erzeugt materielle Tiefe und belebt damit das Fassadenbild entscheidend“, resümiert Michael Ruffing, „Dieser Aspekt wird je nach Sonnenstand und Wetter unterschiedlich wahrgenommen, was die Lebendigkeit der Fassade nochmals verstärkt.“ Der Einsatz von Klinkerriemchen zur Gestaltung der äußeren Hülle war dabei ein klares Bekenntnis zu dem traditionellen Baumaterial: „Klinker gewährleistet Wertigkeit und materielle Authentizität“, sagt Ruffing, „die Putzbänder verleihen den Häusern die Anmutung weißer Villen. Die Klinkerbänder lockern das Bild auf und betonen über die Ecken jede einzelne Etage.“ Mit dem Quartier direkt an der Elbe ist ein hochwertiger Blickfang realisiert worden, der optisch als Stadtkante erkannt wird und gleichzeitig Offenheit ausstrahlt. 

»Der Klinker in Verbindung mit der grauweißen Fuge bringt Polychromität in die Architektur, erzeugt materielle Tiefe und belebt damit das Fassadenbild entscheidend.«

Dipl.-Ing. Michael Ruffing (rechts), Architekturbüro Medium Architekten